Somersault - Wie Parfum in der Luft
-Eine Rezension von Peter Bauer-
Welcher Film hat die meisten Oscars eingeheimst? Klar Titanic, der kommerziell erfolgreichste Film aller Zeiten mit dem Filmtraumpaar Leonardo di Caprio und Kate Winslet. Falsch gelegen. Dann vielleicht Ben Hur, Charles Hestons berühmt gewordenes Monumentalfilmspektakel aus dem Jahre 1959 mit einer jahrelangen Vorbereitungszeit und Millionen von Tonnen Sand? Wieder daneben.
Die richtige Antwort in unserem kleinen Filmquiz lautet:
Somersault - Wie Parfum in der Luft
Somersault - Wie Parfum in der Luft errang nähmlich 13 australische Oscars und dies völlig zu recht. Down Under hat filmisch wesentlich mehr zu bieten als McLeods Farmtöchter, Peter Jakes Fantasyepos "Der Herr der Ringe " oder Werke von Nicole Kidmann. Die Regisseurin Cate Shortland findet erfolgreich und mit eigenem Stil ihren berechtigten Platz im übervollen Bereich des Jugendfilms. Wer hier einen typischen amerikanischen Jugendklamauk erwartet, in dem möglichst viel Drogen, Alkohol, Rockmusik und Frauen konsumiert werden, wird enttäuscht sein, obwohl selten auf so wunderschöne, detailverliebte Weise die Zerrissenheit eines weiblichen Teenagers dargestellt wurde.
Der Film kommt ruhig fließend in einem individualistischen, betont bläulichen Farbenspiel daher, so besonnen, daß man manchmal meint, man müßte aus seinem Fernsehsessel aufstehen und das Ganze behutsam etwas anschieben. Aber vergeblich - und dies ist auch gut so.
Die Debütantin Cate Shortland, von der auch das Drehbuch stammt, verlegt den Haupthandlungsort, untypisch für Australien, in den Wintersportort Jindabyne nördlich von Canberra mit verschlossenen, aber exakt gezeichneteten Charakteren und nicht an den sonnigen Strand zwischen Surfbretter und Bikinis. Sie nennt ihre blonde, attraktive, 16jährige Hauptdarstellerin trotzig altbacken Heidi, passend für die Berge, in die sie aus einem verschlafenem Ort kam. Diese reißt von zu Hause aus, nachdem sie, kindlich-pubertär, eine Knutscherei mit dem Freund ihrer Mutter angefangen hatte und damit das Band zur Mutter zerriß.
In den Bergen versucht Heidi, vergeblich auf der Suche nach Liebe, Geborgenheit, Kontakt, Wohnung und Job Fuß zu fassen und wird nach anfänglichen kleinen Erfolgen immer wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt, stürzt ab und bleibt frustiert das "Flittchen von der Tankstelle". Weder Kind noch Erwachsene, treibt sie haltlos, Sex und Liebe oft verwechselnd, in diesem Ort umher und dient vor Frust betrunken als willkommener One-Night-Stand für die ansäßigen Dorfjugendlichen. Lediglich der 25jährige Farmersohn Joe, selbst wenig gefestigt und beziehungsfähig, und die Motelbesitzerin Irene, bei der sie ein Zimmer hat und von der sie lernt, daß man verzeihen kann und muß, verhindern den totalen endgültigen Absturz und öffnen ihr schließlich eine Tür zur Rückkehr und lassen somit einen angenehm überraschten Zuschauer mit der Hoffnung auf einen besseren Fortgang zurück.
Auch für diese Indiefilmperle gilt wie so oft: Suchen Sie sorgfältig in TV-Nachtprogrammen und Ecken ihrer Hausvideothek und hoffen Sie mit mir, daß weitere medienwirksamere Auftritte von der wunderschönen Abbie Cornish dieser Filmperle die ihr gebührende Aufmerksamkeit verschaffen.
Trailer auf Deutsch
Trailer auf Englisch
Webseite: www.somersault-film.de