Wüstenblume

Der Film beginnt in einer kargen Landschaft Somalias und zeigt das Leben einer Nomadenfamilie. Die kleine Waris ist für die Ziegenherde verantwortlich und führt diese durch das unwirtliche Gelände. Als Waris die vierte Ehefrau eines alten Mannes werden soll, beschließt sie zu flüchten. In der Nacht vor der Eheschließung beginnt sie ihren weiten Weg durch die Wüste nach Mogadischu, wo ihre Großmutter lebt. Mit blutendenen Füßen, einer Vergewaltigung nur mühevoll entronnen und völlig entkräftet erreicht sie ihre Familie in Mogadischu. Sie kann jedoch nicht bleiben und wird von Verwandten mit nach England genommen als Haushaltshilfe. Wie eine solche wird sie auch behandelt. Die einzigen englischen Worte, die sie in sechs Jahren in London lernt, sind die, die sie heimlich hinter der geschlossenen Wohnzimmertür dem Fernseher lauschend aufschnappt. Aufgrund der somalischen Unruhen reist die Botschaftsfamilie zurück nach Somalia, aber Waris bleibt in England. Durch die Straßen irrend haftet sie sich an die Fersen einer ausgeflippten Top Shop Verkäuferin, die davon träumt Ballerina zu werden, aber die Grazie einer Elefantenkuh hat. Marylin, gespielt von Sally Hawkins, bietet einen angenehmen Ausgleich zu der vom Schicksal gebeutelten Waris (Liya Kebede). Sie bringt eine Komik in den Film, ohne diese der Film unerträglich wäre. Die Szenen mit Marylin lockern den Film auf und bieten dem Zuschauer immer wieder kleine Verschnaufpausen, die er auch dringend benötigt. Waris Aufstieg zum Ruhm eines Topmodels wird immer wieder unterbrochen von Rückblicken, die ihre Kindheit in Somalia zeigen. Auch die Beschneidung im Alter von drei Jahren wird nicht ausgelassen. Diese Szene ist so überzeugend, dass man beinah glaubt, sie wäre echt. Das kleine Mädchen windet sich kreischend und ist dennoch unbarmherzig ausgeliefert.
(Mehr möchte ich zur Handlung nicht verraten.)
 
Besonderes hervorheben möchte ich den Soundtrack, der vom deutschen Komponist Martin Todsharow geschaffen wurde.  Die Filmmusik unterstreicht die Handlung und vermag es, Szenen ausdrucksstark zu untermalen. In einem Wechsel zwischen temporeichen Passagen und melodiösen Abschnitten stützt sie den Film und haucht den Szenen, die keiner Sprache bedürfen, Leben ein.
 
In berührenden und bewegenden Bildern wird der Weg Waris Diries von der Nomadentochter zur UN-Botschafterin gezeichnet. Dieser Film über eine starke Frau, die schon als Kind den Mut aufbrachte, allein durch die Wüste zu wandern und ihre Familie hinter sich zu lassen und es sich nun zum Lebensziel gesetzt hat, die Beschneidung von Frauen zu bekämpfen, ist absolut sehenswert.

Wer sich nicht vorstellen kann, wie weibliche Beschneidung (FGM) aussieht, findet hier Bilder und Infos.

 

Aber ACHTUNG, ich weiß nicht, ob ihr danach noch ruhig schlafen könnt.. Dieser Link, der auf einen englischen Blog verweist, ist nichts für Zartbesaitete.