Stage Beauty
Warum sind historische Romane bei der Leserschaft so beliebt? Weil sie uns die Geschichte recht unterhaltsam vermitteln und unsere Neugier befriedigen, wie früher gelebt, geliebt, gearbeitet und gemordet wurde.
Viele gute Autoren, auch aus Deutschland wie Iny Lorentz, Sabine Ebert, Andrea Schacht oder Maren Winter stehen mit ihren beeindruckenden Werken bereit, um die große Anzahl dieser Sehnsüchte und Wünsche auf hohem Niveau zu befriedigen.
Selten aber gelingt der Transport dieser interessanten Stoffe in gute historische Filme. Viele Filme sind so steif wie das Korsett der weiblichen Schauspielerinnen, kommen schleppend in einer gestelzten Sprache wie der gleichnamige Teil ihrer Kostüme daher und verlieren eine gute Geschichte in einem Heer von bunten Komparsen und schweren Requisiten. Versuche, dem Ganzen einen modernen Touch zu geben, sind nicht selten überzogen wie Baz Luhrmanns "Romeo and Julia",wenn Leonardo di Caprio in einer fiktiven südamerikanischen Stadt namens Verona Beach um Claire Danes in Versform wirbt. Sie verschrecken viele traditionell verhaftete Zuschauer, wenn Sofia Coppolas 14jährige Marie Antoinette Anstriche eines modernen It-Girls bekommt.
Wie so oft liegt der Erfolg und Gewinn in der besagten Mitte. Mein historischer Lieblingsfilm "Stage Beauty" glänzt mit dem immer aktuellen Thema der Gleichberechtigung von Mann und Frau, diesmal auf den Brettern, die die Welt bedeuten, einem flotten Schnitt und einer zeitgemäßen Sprache sowie zwei Darstellern der Extraklasse. Claire Danes, vertraut mit historischem Stoff als Hauptdarstellerin von Julia und ein kaum in ihrem Schatten stehender Billy Crudup geben der ganzen Sache den nötigen Schwung, Charme und die inhaltliche Tiefe. „Stage Beauty“ kommt phasenweise prickelnd erotisch daher, ohne viel Haut zeigen zu müssen und braucht fast keine Gewaltszenen in einem eigentlich sehr blutrünstigen Zeitalter, ohne aber weichgespült zu wirken.
Im England des 17. Jahrhunderts herrscht das königliche Gesetz, daß am Theater nur Männer Frauenrollen spielen dürfen. Ned hat das Privileg, die besten dieser Rollen ausfüllen zu dürfen. Er ist der Star, besonders in OTHELLO, angehimmelt von seiner Bühnengarderobiere Maria, deren Gefühle er aber nur schwer erwidern kann, denn er fühlt sich mehr zum männlichen Geschlecht hingezogen. Sie übt sich heimlich als Schauspielerin in volkstümlichen Kneipen. Als die Mätresse des Königs selbst Ambitionen hegt, ans Theater gehen zu wollen, werden kurzerhand die Gesetze per königlichem Dekret geändert und auch das weibliche Geschlecht hat jetzt die Möglichkeit, sich an den Theaterbühnen zu bewerben. Maria und Ned werden nun so zu unerbittlichen Konkurrenten, die sich trotzdem weiter achten und sich immer wieder gegenseitig brauchen.
Es ist ein sehr kleiner, oft übersehener historischer Film aus dem Jahre 2004 von dem britischen Regisseur Richard Eyre, der seine Basis passend in einem bekannten Theaterstück hat. Ja, es ist schon fast ein absoluter Nischenhisto im Schatten von guten Blockbustern wie "Der Name der Rose" oder "Elizabeth", der es aber wert ist, daß man ihn hervorzieht und genießt, auch wenn wahrscheinlich wie immer zu sehr fortgeschrittener Stunde, denn in der Fernsehwelt haben die meisten kleinen historischen Verfilmungen bekanntlich keinen leichten Stand.
Ein Gastbeitrag von Peter Bauer: www.bauerhepeter.jimdo.com.
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