Hallam Foe
Eine Rezension von Peter Bauer
Warum liebe ich so diese schöne kleinen Außenseiterfilme? Vorhersehbarkeit ist wie so oft im Leben auch hier das Gift vieler Filmproduktionen. Sie zerstört Spannungsbögen und läßt Überraschungsmomente schnell sterben. Langeweile und Eintönigkeit breitet sich aus im Kinosaal, die dann nur noch durch seichte Schenkelklopfergags, Tränenbäder und überzogene Gewaltszenen krampfhaft kompensiert werden können.
Außenseiter haben ihre unvorhersehbaren Macken, Kanten und Widerhaken. Außenseiterfilme folgen den Wegen dieser oft etwas skurrilen, aber doch liebenswerten Protagonisten, die sich deswegen öfters etwas neben den üblichen eingetretenen Pfaden im Leben treiben lassen. Zärtlich umstreifen sie ihre kleinen stillen Helden ohne ihnen böse zu werden, wenn mal bei ihnen wieder etwas nicht glatt verläuft.
"Hallam Foe - Aus dem Leben eines Außenseiters" ist eine solche tragische nicht vorhersehbare kriminalistisch angehauchte Liebesgeschichte ohne Taschentuchhappyend. Billy Elliot ist wieder da. Fast 7 Jahre und nur noch schwer wiedererkennbar als gereifter junger Mann nimmt Jamie Bell sich wieder erfolgreich einer schwierigen Außenseiterrolle an. Was haben wir damals mitgefiebert in "Billy Elliot - I will dance" bis er seinen Traum vom erfolgreichen Balletttänzer troz widrigem Umfeld und festgefahrenen Rollenerwartungen in dieser entbehrlichen Thatcher-Ära verwirklicht hatte.
Über den Dächern von Nizza war in den 50ern des letzten Jahrhunderts ein Film von Alfred Hitchcock, dessen Hauptdarsteller Gary Crant vorwiegend in höheren Gefilden aktiv war. Hallam ist zwar nicht "die Katze" doch ebenso sicher in schwindelnden Höhen diesmal vorwiegend über den Dächern Edinburghs, wo der größten Teil dieser schottischen Indieperle spielt. Diese Tatsache schenkt uns seltene und sehenswerte Panoramen aus dem Blickwinkel eines Spanners, der aus dem schottischen Bergdörfchen dorthin flüchtete, Hallam wird durch den unerwartwn Freitod seiner überaus geliebten Mutter zum voyeuristischen Außenseiter, der in seinem Baumhaus zurückgezogen das Leben anderer, besonders das seiner gehaßten Stiefmutter aufmerksam beobachtet, denn er glaubt nicht an den Selbstmord seiner Mutter.
Für ihn ist seine jetzige Stiefmutter einer der Hauptverdächtigen eines möglichen Mordfalls, was ihn aber nicht davon abhält mit ihr zu schlafen. So bleibt nur die überstürzte Flucht nach Edinburgh. Empfangen von typisch düsteren Inselwetter, Polizisten auf Streife und Freiern auf der Suche nach Strichern erkennt er am Bahnhof in der lebenslustigen Personalchefin eines Hotels ein Ebenbild seiner verstorbenen Mutter. Er heftet sich sofot an ihre Fersen und dringt auf amüsante Weise immer weiter in ihr Leben ein, wird ihr Angestellter, Beschützer und Liebhaber bis ihn die Vergangenheit wieder einholt.
Rundherum eine stimmige Sache, auch wenn Hallaom Foe trotz schauspielerischer Prachtleistung von Jamie Bell nicht an der Spitze ähnlicher Außenseitertragikkomödien wie besagtes " Billy Elliot - I will dance", "Igby " oder gar "Harold und Maude" heranreicht. Dazu fehlt es doch noch an Dichte, Tiefe und sozialem Bezug.
Ein cleverer Deal zwischen dem Regissuer und einer britischem Indieplattenfirma sorgt für die passende musikalische Untermalung. Domino Records aus London liefert unzählige Nachwuchskünstler, die nach dem auch hier bekannten Headliner Franz Ferdinand vornehmlichs aus der zweiten Reihe stammen und unverbraucht kraftvoll musizieren. Sie begleiten Hallam passend durch seine abwechslungsreiche ödipale Außenseiterodyssee und wären auch ohne Filmhintergrund einen Kauf wert. Dies fand auch die Jury der Berliner Filmfestspiele und zeichnete deshalb den Filmsoundtrack für die gelungene Zusammenstellung aus.
Endlich mal wieder eine Tragikkomödie, wo man den Eindruck erhält, hier wurde nicht mit dem Blick auf Altersbegrenzungen und Kassenerfolgskonventionen nachträglich noch vieles Kreatives rausgeschnitten. Was Hallam durch den Blick der Fenster sieht, sieht auch der Zuschauer, nie skandalös gehypt dargestellt, aber auch nie mit dem entscheidenden Wegschwenken der Kamera. Wie Hallam und besonders seine angebetete Kat unverblümt reden so, spricht vielleicht danach auch der Betrachter, so charmant sind auch verbale Ausflüge unter die Gürtellinie dargestellt. Dass danach bei einem vielleicht das Repertoire für Genitaliensynonyme erheblich erweitert ist, nimmt hier keiner einem übel. Wie so oft im Leben kommt es auf die liebevolle und passende Verpackung an. Und die liefert Regisseur David Mackenzie ebenso gekonnt und leicht wie auch die handgezeichnete Einleitung und Abspann gerne mit.
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Kommentare: 2
Stefan (Mittwoch, 17 November 2010 05:51)
Hallam Foe gibt es seit mehr als zwei Jahren auf DVD. Wie wäre es denn mal mit Beiträgen die ein wenig aktueller sind?!
Katharina Böhme (Mittwoch, 17 November 2010 19:07)
Hallo Stefan,
ich kannte den Film noch nicht und freue mich immer über Filmtipps, da ich im Gegensatz zu dir nicht jeden Film sofort im Kino oder auf Dvd anschauen kann.
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