Solotour
Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist neue Erfahrungen sammeln. Neulich hatte ich Lust, abends auszugehen, aber keiner wollte mit. Natürlich hätte ich mir auch neue Freunde suchen können, aber es schien mir einfacher, diesen Abend allein auszugehen. Vorher noch kurz per Telefon moralische Unterstützung für dieses Abenteuer bei der besten Freundin geholt, kurzer Rock, Stiefel.. los geht´s. Wir haben gewettet, wie lange es dauert, bis ich von einem Typen angesprochen werde. Ich meinte 5 min (fühlte mich gut aussehend), sie meinte 20 min. Wir lagen beide falsch.
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Ich wurde von keinem angesprochen. Nur beäugt. Für eine derartige Wette hatte ich mir wohl auch die falsche Location ausgesucht. Wenn man in der Stadt weggeht, vielleicht in eine Bar, könnte das klappen. Wenn man allein auf eine Stadtteilparty geht, wobei dieser Stadtteil eher Dorfcharakter hat und die Bevölkerung von Natur aus eher reserviert ist, hat man schlechte Karten (Namen und Orte bleiben anonym). Trotz ungezähmter Abenteuerlust, stand ich die erste halbe Stunde mit meinem Bier in der Gegend rum und versuchte lässig auszusehen.
Vielleicht war ich auch ein bißchen overdressed. Aber Make up und Outfit hatten mich schon den ganzen Tag begleitet, weil es einer dieser Tage war, wo ich einfach mal Lust hatte mich aufzuhübschen. Osteuropäerinnen laufen ja auch den ganzen Tag rum wie auf dem Weg zur Arbeit.. äh Rummel.. Wie auch immer.. die einzige Person, mit der ich ins Gespräch kam war doppelt so alt wie ich. Sie nahm mich unter ihre Fittiche und zog mich von Tisch zu Tisch. Nicht ganz meine Altersgruppe, aber es gab jede Menge Freibier für mich. Dummerweise kann ich dann auch nie "nein" sagen. Wenn man es mir anbietet, werde ich es höchstwahrscheinlich auch annehmen.
Nach ein paar Stunden stand ich dann nur noch mit zwei Männern am Tresen, die leider noch betrunkener waren als ich und mir auf den Keks gingen. Also beschloß ich nochmal kurz für kleine Mädchen zu gehen und dann ab nach Hause (falls ich den Weg noch finden würde..). Dieses Fest fand in der Nähe eines Sportzentrums statt, und auf Geheiß meiner Patronin hatte ich den ganzen Abend über die Toilette im Sportzentrum genutzt und nicht den zur Verfügung gestellten Toilettenwagen. Dass in der Damenumkleidekabine die einzige mir bekannte Toilette war, mag an meiner Unsportlichkeit liegen. Und dass jene Umkleidekabine als Umkleide für die Band umfunktioniert war, hatte mich den ganzen Abend über nicht gestört. Das große Schild an der Tür hatte ich geflissentlich ignoriert. War ja nie einer da gewesen in den letzten Stunden. Und abgeschlossen war es auch nicht gewesen.
(c)Fotocent
Ich torkelte also auf die Umkleide zu, öffnetet die Tür und sah mich sieben stämmigen Kerlen gegenüber. Die blickten mich mit großen Augen an, als ich ankündigte, nur mal eben die Toilette benutzen zu wollen. Als ich fertig war, setzte ich mich einfach zu ihnen. Ich glaube, sie waren von meiner Dreistigkeit so überrascht, dass sie gar nicht erst protestierten. Nur einer fragte, wie ich denn reingekommen sei. Ich: "Die Tür war offen." Er: "Aber da ist doch ein Schild an der Tür!" Schulterzucken meinerseits.
Es war dann noch ein ganz witziger Abend mit den Typen. Sie haben mir Bier angeboten (diesmal musste ich ablehnen aufgrund erhöhter Trunkenheit) und wir haben gequatscht (ich eher gelallt). Sie wollten noch ein paar Clubs auschecken in der Stadt, aber ich konnte leider nicht mit. Warum? Weil ich mich schon vorher, im eher unspektakulären Teil des Abends, so weggeballert habe, dass ich nicht mehr Herrin meiner Sinne war, als es interessant wurde. Das hat mich echt geärgert. Zum Glück war ich noch fit genug, um die Entscheidung zu treffen, NICHT mit der Band auszugehen, sondern den Heimweg anzutreten.
Was lernen wir daraus? Nicht so viel trinken - denn man weiß nie, was der Abend noch bringen wird!
by Rosa Morgenstern
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Kommentare: 9
Claudia (Samstag, 25 September 2010 01:34)
Du musst in Schweden unterwegs gewesen sein - andererseits: die Sache mit dem Freibier passt so gar nicht zu den Schweden ;)
Anja (Samstag, 25 September 2010)
Ich lach mich weg! Das hätte ich dir gar nicht zugetraut dasdu eine kleine Saufnase bist! :)
L.G. Anja
nochmal Anja (Samstag, 25 September 2010 11:24)
Ich hab gerade gesehen ' by Rosa Morgenstern'
War das gar nicht von dir?
Katharina Böhme (Samstag, 25 September 2010 11:38)
@Anja: Ja, ganz richtig! Dieser Artikel stammt tatsächlich aus der Feder meiner Freundin Rosa Morgenstern. Komischerweise werden IHRE Beiträge immer mir unterstellt..
Anja (Samstag, 25 September 2010 12:54)
:) Dann bitte mehr davon. Mich interessiert das Leben der Rosa Morgenstern! :)
Schönes Wochenende wünscht Anja
Rosa Morgenstern (Samstag, 25 September 2010 13:01)
Das freut mich Anja! Ich hab noch einige Stories auf Lager! ;-)
Tina (Dienstag, 28 September 2010 21:54)
Sehr nett zu lesen aber ich bin etwas enttäuscht das nicht du das erlebt hast und beschließe, so für mich, dich kurze mal in Rosa umzutaufen. War bestimmt nicht mein letztes mal hier lesen, hejdå Tina aus Schweden
C.L. (Freitag, 05 November 2010 15:07)
Mir fällt dazu nur eines ein: "Schöne Frauen anreden, denn die redet keiner an" :) ... klappt in 80% der Fälle ^^
Rosa Morgenstern (Samstag, 06 November 2010 19:57)
@C.L.
Und was für einen Rat gibst du mir? Das nächste Mal ungeschminkt, mit fettigen Haaren und in Jogginghose auf ne Party gehen?? Ach *seufz*..