FRAGMENTE
by Rosa Morgenstern
Es gibt so vieles, über das man sich Gedanken machen kann.. besonders wenn man zu jenen Menschen gehört, die zuviel denken. Aus Gedanken entsteht dann eine Fülle von Textfragmenten, die vielleicht noch nicht ausgereift sind - oder doch?!
"Männer sind Schweine!" Dieser Spruch wird so inflationär gebraucht, dass er ausgelutscht ist - aber was ist dran?
Missionierungszwang
Was haben Christen und Fleischesser gemeinsam? Richtig, beide leiden unter Missionierungszwang. Nicht alle, aber ein überproportional großer Anteil.
Aus einem mir unerfindlichen Grund können es viele Menschen sich einfach nicht verkneifen, bohrende Fragen zu stellen, warum man denn Vegetarier sei.
Folgende Punkte sind dann unausweichlich:
"Tun dir etwa die Tiere leid? - Verzichtest du dann auch auf Leder? - Nein? - Na dann bist du also inkonsequent." - Was geht dich das an?
ODER
"Fütterst du deine Katze auch mit Gemüse?" - Natürlich nicht. Katzen sind Raubtiere.
ODER
"Wie? Du isst Fisch? Na dann bist du ja gar kein richtiger Vegetarier." - Nein, es gibt auch Pesci-Vegetarier. Zudem hat Katharina schon einen Artikel dazu geschrieben.
ODER
"Aber der Mensch BRAUCHT Fleisch!" - Wo steht das? Das ist nicht erwiesen.
ODER
"Aber iss doch. Das Tier ist ja eh schon tot. Alleine kannst du die Welt auch nicht retten." - Schreibe ich dir vielleicht vor, was du essen sollst?!
Genau das ist nämlich der springende Punkt. Ich weiß, es gibt Vegetarier die sich gerne mit Fleischessern streiten und rumdiskutieren.
Aber es gibt auch viele Vegetarier die das nicht tun. Genau wie ich haben sie eine Entscheidung getroffen, die nur sie allein etwas angeht. Ich verlange von keinem Rechtfertigung für seine Ernährung und ich möchte niemanden bekehren.
Dementsprechend möchte ich mich auch nicht permanent dafür rechtfertigen müssen und nervenaufreibende Diskussionen führen, die meistens unsachlich sind und nichts anderes als Kritik an mir und meiner Lebensweise sind.
Esst was ihr wollt und lasst mich in Ruhe. Leben und leben lassen, oder? ;-)
Kleider machen Leute
So im Alltag gehöre ich ja bequemlichkeitshalber zur Jeans-T-shirt-Turnschuhe-Fraktion. Gerne auch mal ungeschminkt zum Aldi. Will ja eh einen reichen Mann.. und der wird sich wohl kaum bei Aldi rumtreiben.. ;-)
Manchmal, wenn die Lieblingsjeans grad alle in der Wäsche sind, ziehe ich mich auch mal was schicker an. So ein Tag war heute. Und die Wirkung war erstaunlich! Frau wird überall freundlich gegrüßt (bevorzugt von Männern) und angelächelt. Frau bekommt sogar von voll beladenen Männern, die fast ihre Ladung dabei verlieren, die Tür aufgehalten.. usw..
Ja, so sollte es sein! Jeden Tag! Aber warum nur, wenn ich mich schick anziehe und hohe Schuhe trage? Sehe ich dann erwachsener aus? Sehe ich respekteinflößender aus? Oder bilde ich mir das alles bloß ein?
Das Wissen um die Zauberformel (siehe Überschrift) hat ja auch einen Vorteil. Wenn die Leute so oberflächlich sind, sich von derartigen Äußerlichkeiten beeindrucken zu lassen, kann man das natürlich auch bewusst einsetzen. Kleidung als Camouflage sozusagen. Unterstützung für den Auftritt.
Ist ja vor Gericht auch so. Wenn im Zivilprozess einer in Jeans und T-shirt kommt und einer im Anzug, dann ist es nicht schwer zu prognostizieren, wer die besseren Karten beim Richter hat..
Eine Frage der Wahrnehmung
Es gibt viele Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Nicht nur äußerlich und charakterlich. Nein, Frauen nehmen sich selbst ganz anders wahr und werden auch ganz anders wahrgenommen als Männer.
Beispiel Selbstwahrnehmung: Wenn eine Frau die Straße entlanggeht und von vielen Leuten angeschaut wird sie sich, außer sie ist ganz tough und selbstbewusst, als erstes beunruhigt fragen, ob sie wohl irgendwie komsich aussieht, oder ob irgendwas mit ihrer Kleidung nicht stimmt.
Wenn ein Mann (nicht alle, aber viele) die Straße entlanggeht und von allen angeschaut wird, hält er sich in der Regel für eine geile Sau.
Es steht natürlich völlig außer Frage, dass die Selbstwahrnehmung der Männer
wesentlich gesünder ist, als die der Frauen..
Es ist nur immer wieder erstaunlich, wie viele unattraktive Männer (Kategorie: Bierbauch und Glatze) sich attraktiv finden, während Frauen selbst bei kleinsten Makeln (z.B. Cellulite - die hat nu wirklich fast jede) von Selbstzweifeln zerfressen werden.
Beispiel Fremdwahrnehmung: Wenn ein Mann mit vielen Frauen schläft oder in der Disko eine Frau abschleppt, wird er für eine tollen Hecht gehalten (er selbst findet dann selbstverständlich wieder, dass er eine geile Sau ist).
Wenn eine Frau mit vielen Männern schläft und in der Disko einen Typ abschleppt (was zugegeben in der Regel einfacher ist), wird sie für eine Schlampe gehalten.
Warum ist das so?
Warum wird Männern das Recht zugestanden, ihre Sexualität auszuleben, während Frauen um ihren Ruf fürchten müssen?
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