Gesunde Ernährung mit Hilfe von Nahrungsergänzungsmitteln?
-ein Gastbeitrag von E.B.-
Viele Menschen konsumieren sie täglich - Nahrungsergänzungsmittel in Form von Pulvern, Tabletten, Kapseln oder Brause- tabletten. Dazu gibt´s mit Vitaminen angereicherte Frühstücks- flocken, die zu einem Viertel aus Zucker bestehen und nicht zu vergessen: der völlig überteuerte Joghurt-Drink (Probiotika), der die Abwehrkräfte aktivieren soll und nebenbei auch über 10 g Zucker pro Flasche enthält.
Ist das wirklich nötig?
Nahrungsergänzungsmittel unterliegen dem Lebensmittel- und Bedarfsgegen- ständegesetz. Nach der derzeitigen Rechtslage bedürfen sie keiner Zulassung oder Registrierung. Sie können also ohne Genehmigung in Verkehr gebracht werden.
Seit Jahren steigt der Verbrauch an Nahrungsergänzungsmitteln. Die Gewinner sind die Hersteller, die Milliarden mit diversen Pillen und unseriösen Werbeversprechen verdienen. Nahrungsergänzungsmittel bergen aber auch Gefahren. Es besteht nicht nur die Gefahr einer Überdosierung mit Vitaminen, sonder auch, sich ein Gefühl der Sicherheit zu verschaffen und somit auf eine gesunde Ernährung zu verzichten. Warum auch Obst und Gemüse essen, wenn es doch so viel einfacher ist, schnell ein Multivitaminpräparat einzuwerfen?
Menschen, die sich ausgewogen ernähren mit reichlich Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sind überdurchschnittlich gut mit Nährstoffen versorgt. Eine ungenügende Nährstoffversorgung ist in erster Linie auf eine ungünstige Lebensmittelauswahl zurück zu führen. Mit einer Tablette ist diese aber nicht wett zu machen. In Obst und Gemüse sind nicht nur Vitamine und Mineralstoffe zu finden, sondern auch sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide oder Ballaststoffe. Diese Vielzahl von bioaktiven Substanzen in einer Kapsel oder Tablette zu vereinen ist schier unmöglich.
Aber nun zu den Risiken. Zu viele Vitamine einnehmen? Geht das überhaupt?
Viel hilft nicht immer viel. Während unser Organismus die meisten wasserlöslichen Substanzen ohne große Probleme ausscheiden kann, sieht es bei den fettlöslichen Vitaminen ganz anders aus.
Zum Beispiel kann eine Überdosierung von Vitamin A in den Schwangerschaftsmonaten zu Missbildungen des ungeborenen Kindes führen, eine einmalige Überdosis von Vitamin D (mehr als 1 g, zum Vergleich der tägliche Bedarf: 5 µg) kann tödlich sein und eine tägliche Überdosis Vitamin E kann einen Vitamin-K-Mangel hervorrufen. Es muss davor gewarnt werden, als Risikoträger (z.B. Raucher) oder Tumorpatient große Mengen ß-Carotin (Vorstufe des Vitamin A) in Form von Tabletten einzunehmen. Zahlreiche Studien mussten aufgrund von gesundheitsgefähr- denden Nebenwirkungen abgebrochen werden. Eine Überdosierung mit der Nahrung ist nahezu unmöglich und kann nur durch hohe Dosen von Vitaminpräparaten erreicht werden.
Weiterhin ist nicht bekannt, wie sich die hohen Dosen an Vitaminen und Mineral- stoffen in einem Präparat verhalten. Dass sich die Wirkungen gegenseitig aufheben könnten, ist da wohl die geringste Sorge.
Durch das Einnehmen der Pillen besteht die Gefahr einer unkontrollierten Zufuhr. Denn die meisten Menschen schlucken Supplemente, ohne zu wissen, ob überhaupt ein Nährstoffmangel vorliegt oder nicht. Nahrungsergänzungsmittel sollten nur in Absprache mit dem Arzt und bei diagnostiziertem Nährstoffmangel oder hohem Risiko, einen Mangel zu entwickeln, eingenommen werden. Dies kann z.B. bei älteren Menschen oder Veganern der Fall sein.
Nahrungsergänzungsmittel können eine gesunde Ernährung nicht ersetzen, sondern nur ergänzen wenn Bestandteile der Nahrung aus bestimmten Gründen nicht ausreichend vorhanden sind. In einer abwechslungsreichen, ausgewogenen Ernährung sind sie nicht notwendig. Auch helfen höhere Dosen von Vitaminen nicht unbedingt, Krankheiten zu verhindern. Es ist nach wie vor nicht wissenschaftlich erwiesen, das hohe Dosen Vitamin C vor Erkältungen oder Infekten schützen können.
Richtig ist, dass Vitamin C notwendig ist, um Antikörper (körpereigene Abwehr- stoffe) zu bilden. Bei höherer Dosierung (als dem täglichen Bedarf) verringert sich die aber keinesfalls die Infektanfälligkeit.
Der Bedarf wird mit 100 mg Vitamin C täglich angegeben. Diese Empfehlungen sind immer an gesunde Menschen gerichtet. Mehr Vitamin C aufzunehmen bringt rein gar nichts. Es wird bei gesunden Menschen über die Nieren einfach ausgeschieden. Bei Patienten mit Nierenschädigung besteht allerdings die Gefahr der Harnsteinbildung bei einer Überdosierung mit Vitamin C durch Nahrungsergänzungsmittel. In den Empfehlungen sind vielfältige Sicherheitszuschläge mit eingerechnet, so dass eine tägliche Dosis von 20-50 mg Vitamin C genügt um der Vitamin-C-Mangelkrankheit Skorbut vorzubeugen.
Als Fazit kann man zusammenfassen, dass jeder Mensch und sein Bedarf an Nährstoffen individuell ist. Die Gesundheit des Menschen ist von vielen Faktoren abhängig. Nicht nur die Ernährung, auch die sportliche Aktivität, die genetische Veranlagung, der Genussmittelkonsum und der Stress haben einen großen Einfluss auf Gesundheit und Krankheit.
Nahrungsergänzungsmittel können für bestimmte Bevölkerungsgruppen sinnvoll sein und die Ernährung ergänzen. Eine ausgewogene Ernährung können sie jedoch nicht ersetzen, ebenso wenig wie sie "Wunderwaffen" gegen Erkältungen oder Krebs sind oder alle wichtigen Substanzen enthalten.
Die verwendeten Bilder entstammen www.pixelio.de.