Erotisch
Meine Freundin Beti ist eine sehr charmante Frau. Sie ist klein, hat ein hübsches Gesicht mit wachen Augen und dieses Glockenlachen. Beti ist rund, mollig oder dick – wie man es eben ausdrücken will. Mexikaner nennen das gordita. Die meisten Bevölkerungsschichten hier stehen noch immer auf gordita, obwohl Frauen und Männer zunehmend dem Finger der Medien folgen und Frauen haben wollen, die allesamt wie Britney Spears aussehen. Meine amerikanischen Freundinnen muss ich immer aufklären, wenn sie verletzt die Augenbrauen zusammenziehen, weil ein Mexikaner ihnen ein gordita (kleine Dicke) zugeraunt hat, dass dies keineswegs als Verletzung gemeint ist, sondern als zärtliches und begehrliches Lob.
Beti ist geschieden, Ende dreißig und eine gute Psychotherapeutin. Neulich erzählte sie mir lachend bei einem Kaffee: „Weißt du, ich muss meine Sexualität zügeln lernen, Kiki. Fahrzeuge törnen mich an. Neulich kam ich achtzehn Stunden im Bus von Mexiko Stadt hierher gereist. Neben mir saß ein gutaussehender junger Mann. Ich war sofort Feuer und Flamme. Wir sprachen kaum miteinander, aber unter unseren Busdecken hatten wir ein nettes kleines Techtelmechtel. In San Cristobal angekommen, wollte der Mann mit zu mir nach Hause, aber das war mir zu viel. Ich bedankte mich bei ihm für das nette Abenteuer und kam allein nach Hause.”
Ich grinste und sie plapperte weiter: „Aber ganz schlimm ist es mit den Taxifahrern hier! Ich habe ja kein Auto und wohne außerhalb und fahre täglich Taxi. Wenn mir so ein Taxichauffeur gefällt, nehme ich ihn häufig mit in mein Bett anstatt ihn zu bezahlen, wenn er mich zu Hause abgesetzt hat!”
Ich habe Beti aus den Augen verloren. Sie hat einen älteren Franzosen kennengelernt, der hier in der Stadt Theaterwerkstätten mit Kindern organisiert. Sie ist zu ihm ins Stadtzentrum gezogen. Da braucht sie keine Taxis mehr. Ich bin sicher, viele Taxichauffeure bedauern das immer noch.
