Engel
Kaum sitz ich im Taxi, erzählt mir der junge, etwas mollige Taxifahrer einen Witz. Er lacht.
„Lachen ist die beste Medizin!“ ruft er.
Ich nicke und erzähle von Bernie Siegel in den USA, der behauptet, er habe sich durch das Lachen über lustige Filme von Krebs geheilt und vom Lacjyoga.
Er wird ernst und antwortet: „Ich habe eine schreckliche Kindheit gehabt. Mein Vater verließ uns, als ich zwei Jahre alt war. Danach lebten meine Mutter, Geschwister und ich in
extremer Armut. Ich bekam einen Stiefvater, der mich triezte, wo er nur konnte. Als ich neun war, eröffnete er mir, dass ich ab jetzt nicht mehr zur Schule gehen dürfte, sondern arbeiten müsste. Ich liebte die Schule. Ich wollte lernen. Ich war so entsetzt, dass ich auf die Hängebrücke rannte, die vor unserem Dorf über den Fluss ging. Ich zerriss mir die Kleider, die ich am Leibe trug, und wollte mich in den Fluss stürzen, als ich plötzlich einen großen weißen Engel hinter mir spürte. Der sagte ganz ruhig: Ich bin immer bei dir!
Da verflog meine Verzweiflung.
Ich arbeitete als Schuhputzer, aber begann bald zu trinken und Drogen zu nehmen. Als ich 15 war, konnte meine Mutter das nicht mehr aushalten und warf mich aus dem Haus. Wieder war ich entschlossen, meinem Leben ein Ende zu machen. Wieder erschien mir derselbe Engel und rettete mich. Aber dann trank ich wieder weiter, nahm Drogen, all mein bisschen Geld floss dorthin. Ich heiratete, wurde Vater, soff weiter, hatte Geliebte neben meiner Frau und ich war verzweifelt. Eines Tages fiel mir eine Bibel in die Hände, ich schlug sie auf, da war ein Psalm. Da hieß es: Auch wenn Vater und Mutter dich verlassen, ich bin immer bei dir! Ich muss wohl genau im richtigen Moment gewesen sein, um diesen Satz in mich aufzunehmen. Ich glaube, meine Seele war reif wie eine Pflaume. Dieser Psalm bewirkte ein Wunder: Als ich ihn las, brach in mir alles zusammen. Ich weinte und heulte und schluchzte stundenlang. Schliesslich war es gut. Ich wusste haargenau, was ich zu tun hatte.
Ich gab das Trinken auf und die Geliebten. Ich wurde ein guter Ehemann und Vater. Das ist jetzt sieben Jahre her. Ich lache, so viel ich kann, ich spiele mit meinen Kindern und genieße das Leben auch wenn ich 16 Stunden am Tag Taxi fahre. Ich genieße auch das Taxifahren. Ich weiß: Gott ist bei mir.”
Wir sind angekommen, als ich ihn bezahle, strahlt er mich an. Ich merke wie ich ihn um den Engel und um Gott beneide.
by Kiki Suarez
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Kommentare: 1
erstaunlich (Freitag, 11 Juni 2010 10:48)
gleich zwei mal im leben einen engel gesehen?erstaunlich!ich würde mich zu tode erschrecken, wenn mir sowas passieren würde und erstmal zum drogentest gehen oder bevor es dazu überhaupt kommen kann, vor schreck in den fluss stürzen...