Ein Plädoyer für freie Liebe
(c)KB
Was ist nur aus dem guten alten Liebesbrief geworden? Das waren noch Zeiten, als man in der 6. Klasse jeden Tag mindestens einen Liebesbrief von irgendeinem Jungen bekam! Ich habe zur damaligen
Zeit auch einige Blumensträuße und einmal ein riesiges aufblasbares Herz bekommen. Kitschig, oder? Aber aus nostalgisch verklärter Sicht: toll!
Heute ist das nicht mehr so. Die Kids fangen heute schon viel früher damit an, Liebesbriefe zu schreiben bzw. zu malen. Mein Studienobjekt heißt Niklas. Niklas ist sechs Jahre alt und geht in die
1. Klasse. Er ist klug, blond, blauäugig, lieb - kurz gesagt: ein Goldstück. Niklas ist in ca. drei Mädchen verliebt und wird seinerseits selbst von mindestens drei Mädchen umschwärmt. Die lieben
Kleinen schenken sich gegenseitig Schmuck, Liebesbriefe oder andere mit Herzen bemalte Dinge. Als Erwachsener kann man das entweder mit Verzückung beobachten und die lieben Kleinen ganz süß
finden, oder hämisch denken "Warte nur ab, bis du älter bist und der ganze Herzschmerz mit Singlesein, Beziehungsstress und Enttäuschungen anfängt..". Nein, wir denken natürlich nicht hämisch
daran, sondern glauben alle ganz brav an die große Liebe.
Die meisten Erwachsenen bekommen keine mit Herzchen bemalte Stofftaschentü- cher (siehe Foto) und auch keine Liebesbriefe. Warum ist das so? Sind die Kinder uns nicht meilenweit voraus? Wenn sie
jemanden mögen, dann zeigen sie es einfach ganz offen und ehrlich. Sie malen schöne Bilder und machen der Person Geschenke. Ganz ohne Hintergedanken. Ganz furchtlos.
Wir Erwachsenen haben die Fähigkeit furchtlos zu lieben verlernt. Wenn ich jemanden toll finde, kann ich nicht einfach hingehen und ihm das sagen. Wie würde das denn aussehen? In sämtlichen
Beziehungs- und Flirtratgebern wird gerne der Hinweis gegeben, dass man Männern möglichst nicht zeigen sollte, dass man sie toll findet, weil sie sonst das Interesse verlieren. Männer wollen
schließlich auf die Jagd gehen. Früher nach Mammuts, heute nach Frauen.* Das Spiel des Kennenlernens und Anbandelns kennt keine festen Regeln und Strukturen. Trotzdem versucht man sich
an irgendwelche Regeln zu halten. Ein unüberbrückbarer Widerspruch, der alles unnötig verkompliziert.
Ich möchte auch wieder Kind sein! Offen sagen, wenn ich jemanden toll finde und völlig ohne Hintergedanken meine Gefühle und Gedanken offenbaren.
Ich bin für die freie Liebe - frei von Konventionen und frei von Angst!
*Das gleiche gilt natürlich auch andersrum. Auch im Umgang mit Frauen gibt es gewisse Dinge zu beachten.
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Kommentare: 14
die hamann (Mittwoch, 03 März 2010 10:04)
hach ja, früher war alles besser, die liebesbriefe, das anbandeln die män..ähh jungs, wo sind die eigentlich alle hin?
entweder verheiratet (zumindest, diejenigen, die schon in der ersten klasse anzubandeln wussten), auf selbstfindungstrip in australien,um später erleuchtet die welt zu retten, oder aber genauso unvermittelbar wie früher. ein glück, dass all das auch auf uns mädels zutrifft, die chance jemand passenden zu finden, ist also noch nicht ganz dahin:-)und was das offene zeigen von zuneigung angeht: bissl drama und herzschmerz hat noch keinem geschadet, im gegenteil wenn immer alle karten offen aufm tisch lägen, wäre das ganze doch seeehr unspannend(für verheiratet nehme ich mal das gegenteil an, die schicken keine briefchen, um jemanden für sich einzunehmen und wenn sie es doch tun, ist es eigentlich auch egal, verheiratet sind die ja schon:-))
allerdings könnte sicher mancher herzinfarkt verhindert werden, wenn es ein wenig offener zuginge und nicht jeder aus angst vor der nächsten enttäuschung seine gefühle permanent zurückhalten würde,kurz gesagt, es lebe die freie liebe, aber allzuviel offenheit und sicherheit is langweilig:-)
Katharina (Mittwoch, 03 März 2010 10:23)
Ach Hamann, vielleicht hast du gar nicht so unrecht.. Ohne Herzschmerz und Sehnsucht gäbe es wohl auch keine Poesie.. Und es gäbe jede Menge arbeitslose Psychologen und Frauenmagazinredakteure bzw. Beziehungsratgeberautoren.. Ach nee, das kann ja nicht angehen! Darnieder mit meinem Artikel! Nehme alles zurück! Bitte um mehr Komplikationen, damit ich nicht vor Langeweile sterbe und endlich mal ein gutes Gedicht schreiben kann.. ;-)
die hamann (Mittwoch, 03 März 2010 10:30)
ja stimmt, man muss sich da klientel ja schon früh sichern:-)aber noch mehr komplikation muss ja auch nich sein, vielleicht sollten wir anfangen an dem punkt an dem wir uns verlaufen haben in dramen und theorien, warum ER wieder nicht anruft, damit beginnen offen zu sein, dann haben wir das spannende am anfang und wenn ER es tatsächlich sein sollte, wird er uns auch nach der offenbarung noch haben wollen und wenn nicht?!:next:-)alles andere is zeitverschwendung
Katharina Böhme (Mittwoch, 03 März 2010 10:33)
Hilfeee!! Ich geh jetzt mit Barbie und Ken spielen.. ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt.. lalalala.. :D
Katharina Böhme (Mittwoch, 03 März 2010 10:37)
Achso.. jetzt schnall ich auch das "Next!". Geschickt eingebracht, Miss Rules! ;-)
die hamann (Mittwoch, 03 März 2010 10:37)
hehe na komm ab sofort machen wir es uns leicht und wie du schon sagtest auch die welt wie sie uns gefällt, dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen, warum sollte es auch??hat alles seinen sinn!
Steffi (Mittwoch, 03 März 2010 10:45)
Hi Katharina! TOller Text, finde ich super, es stimmt alles, was da steht; mein Kommentar auf Grund persönlicher Einstellung, schmerzlicher Erfahrungen der Vergangenheit und aktueller Ereignisse: es ist leider so, dass man als Erwachsener interagieren muss und sich an die Regeln des Lebens halten muss, da man eben erwachsen ist, oder zu sein hat, und das Umfeld das Kindsein als Erwachsener fast verbietet; ich verbiete es mir selbst nicht immer und habe versucht, alle "erwachsenen" Regelwerke zu umgehen und meine Liebe zu zeigen; ob sie angekommen ist, weiß ich nicht; das ist das Einzige, was ich mir vor zu werfen habe;) aber so ein Herz zu bekommen, mit einem Liebesbrief, toll; ich habe zum Beispiel neulich ein Lindt.Herz in früher Vorsorge für meinen Schwarm gekauft, mit der Vorstellung, es ihm bald überreichen zu dürfen; aus Frust über ihn und die Situation habe ich es neulich selbst gegessen;))))
peter (Mittwoch, 03 März 2010 10:48)
nette aufforderung zur freien liebe...
Olaf (Mittwoch, 03 März 2010 11:27)
Alsoo...ich glaube, dass die Kids den Begriff "Liebe" ganz anders definieren. Sie sprechen schon von der großen Liebe, obwohl sie noch keine Vorstellung davon haben, was Liebe überhaupt ist. Ich kann mich noch an meine erste große Liebe erinnern....einen Kopf kleiner als ich, blonde Haare und auch schon 10 Jahre alt :-) Ich glaube die Kids von heute werden solche Erinnerungen kaum noch haben, irgendwie werden da Herzchen gemalt und man verbredet sich sogar...und nächste Woche wird sich mit einem anderen Mädchen verabredet und neue Herzchen gemalt :-) ...also alles mehr oberflächlich.
Übrigens...wenn ich verliebt bin, male ich auch heute noch Herzchen und ich würde es auch gut finden, wenn ich gemalte Herzchen bekommen würde. Und.... "freie Liebe" hat dann vielleicht auch nicht mehr viel mit der wirklichen Liebe zu tun?
Katharina Böhme (Mittwoch, 03 März 2010 11:42)
Hmm.. ich meinte Liebe jetzt auch nicht nur im Sinne von *mein-Herz-blutet-wenn-du-nicht-bei-mir-bist*ich-brauch-dich-wie-die-luft-zum-atmen*lass-uns-heiraten-und-kinder-zeugen*.. aber wie kommen denn die Kids überhaupt darauf, Herzchen zu malen usw.? Kinder lernen meist durch Vorbild.. aber wieviele Erwachsene (abgesehen von dir ;-) malen denn heutzutage schon Herzchen für jemanden? Mein letztes "erwachsenes" Herzchen ist schon ne ganz Weile her.. Is ja auch ganz schön kitschig usw., nicht? ;-P
Katharina Böhme (Mittwoch, 03 März 2010 11:44)
PS: Nur für dich Olaf.. <3
Kiki Suarez (Mittwoch, 03 März 2010 14:42)
Ich glaube, wir verkleinern Liebe so, weil wir immer nur an die romantische denken. Jemanden toll finden, ist nicht Liebe. Ob man jemanden findet zum Heiraten oder nicht, ist auch nicht unbedingt und wenn nur eine Form von Liebe. Ich glaube, Liebe ist viel weiter und freier als dies. Sie ist immer ein freier Vogel und sperrst du ihn ein in einen Käfig, stirbt er.
Dass Kinder so frei ihr Toillfinden und ihre Zuneigung äussern hängt einfach damit zusammen, dass sie noch nicht so ein festes Selbstbild haben. Sie müssen nicht immer gross und stark sein. Sie weinen und schreien und dann ist das vorbei und sie lachen und spielen wieder. DAS haben wir verlernt, wir Erwachsenen, wir haben zuviel Angst vor Schmerz, ebgen: Zurückweisung. Und dann sehen wir schwach aus und das hassen wir am allermeisten.Alles nur Image. Wir sorgen uns am allermeisten um unser Image.
Schmerz und Liebe sind aber Zwillingsschwestern, sie kommen IMMER Hand in hand. Wenn ich mich vor dem Schmerz schützen will, bezahle ich hoch: ich kann mich in die Liebe nicht fallenlassen. Unser Problem mit der freien Liebe ist nur unsere Angst, dass es wehtun könnte. Wenn wir freunlicher wären zu unserem Schmerz und uns selbst im Schmerz könnten wir jedem sagen und zeigen, wenhn wir ihn oder sie tollfinden.
Letzlich hängt freie Liebe nur davon ab, wie frei und weit ich mich selbst liebhabe, eben gerade, wenn alles schiefgeht.
KIKI
C. (Mittwoch, 03 März 2010 18:53)
Hab gerade deinen letzten artikel gelesen ... gut geschrieben ... aber ich frage mich da eher "Wo führt das ganze hin?" ... Betrachtet man Seiten wie Snapscouts, oder WQ, dann merkt man nen ganzen Unterschied in den Generationen. Heutzutage schreiben 14 Jährige Mädls, die aussehen wie 18, über die große Liebe ... zu unseren Zeiten, habe ich mit 14 noch mit Mädls Fußball gespielt ... wie viele 15 - 18 jährige schieben mittlerweile einen Kinderwagen vor sich her?! ... Wo soll diese Generation enden?! Mehr und mehr habe ich das Gefühl, dass die Zukunft dieser Generation darin besteht, Nachwuchs in die Welt zu setzen, damit sie überhaupt eine Zukunft haben, da sie sonst offensichtlich kaum was haben, woran sie sonst glauben sollen, oder sich klammern sollte ....
E. (Mittwoch, 03 März 2010 19:14)
Ja, ist schon richtig, was in dem Artikel steht.
Allerdings finde ich den Titel etwas unpassend gewählt.
Wenn ich "freie Liebe" lese, denke ich ain meinen Hippie-Lehrer, der für freie Liebe ist, also das man sich nicht auf einen Partner festlegt, sondern jeder mit jedem...und so...also nix mit Treue und so.