"Ebay ist ein Blutsauger", sagt meine Freundin Nora - stimmt das?
Vor einigen Jahren habe ich mich bei Ebay angemeldet. Zuerst war ich nur auf Schnäppchenjagd und habe selbst eingekauft. Nach einer Weile habe ich dann auch das Verkaufen für mich entdeckt. Super
Sache, wenn man seinen alten Kram bei Ebay loswerden kann. Reich bin ich dabei zwar nicht geworden, aber es ist immer noch besser ein altes Buch oder Kleider, die man nicht mehr trägt, bei Ebay
zu verkaufen, als sie wegzuwerfen. Manchmal haben sogar die Dinge, die ich fast nicht für würdig befand, verkauft zu werden, am meisten Geld gebracht - oder es hat mich zumindest überrascht, dass
es jemanden gibt, der sowas kauft.
Seit einiger Zeit jedoch werden die Regeln für Verkäufer immer mehr verschärft*. Das hat angefangen bei der Änderung des Bewertungssystems* und hat jetzt seinen (vorläufigen) Höhepunkt in
der Zwangseinführung von Paypalzahlungen* erreicht.
Für Ebay-Laien:
*Bewertungssystem: Früher hatten Verkäufer und Käufer das gleiche Bewertungsrecht. Beide konnten einander "positiv", "neutral" und "negativ" bewerten. Das wurde dann dahingehend geändert,
dass Käufern weiterhin diese drei Bewertungsstufen zur Bewertung von Käufern zur Verfügung stehen, aber Verkäufer den Käufer nur noch "positiv" bewerten können. Wenn man es dann als Verkäufer mit
einem Käufer zu tun hat, der z.B. die Ware 4 Wochen lang nicht bezahlt, dann kann man das zwar an Ebay melden, aber das hat zunächst keine weiteren Konsequenzen. Jedenfalls kann man andere
Verkäufer nicht mehr mittels des Bewertungssystems vor diesem Käufer warnen.
*Gratis Versand: In einigen Verkaufskategorien sind Verkäufer (auch Private!) verpflichtet, kostenlosen Versand für ihre Ware anzubieten. Falls man also Pech hat und der Artikel nur Gebote in
Höhe von 1 € erhält, macht man am Ende noch Minus, weil man ja die Versandkosten selbst tragen muss.
*Paypal: Jeder Verkäufer ist nun verpflichtet, die Bezahlung der Ware über das Ebay-Unternehmen "Paypal" anzubieten. Für Käufer, also den Zahler, ist das Zahlen über Paypal gratis. Für
Verkäufer, also den Zahlungsempfänger, kostet die Zahlung 0,35 € + 1,9 % (je nach Verkaufspreis). Wenn man nun also ein altes Buch verkauft, für das man auf dem Flohmarkt auch nur
1 € bekommen würde und die Zahlung per Paypal erfolgt, dann ergibt sich folgende Rechnung:
Verkaufspreis Buch: 1 €
abzüglich:
Ebay-Gebühr (0,08 €) + Paypal-Gebühr (0,35 € + 1,9 % x 1 € = 0,37 €) = 0,45 €
Ergebnis:
1 € - 0,45 € = 0,55 €
Übrig bleiben für den Verkäufer also 0,55 €. Davon muss man natürlich noch Strom, Internetgebühr und Zeitaufwand abziehen. Schlußfolgerung: Ebayverkäufe für Flohmarktartikel mit geringer
Verkaufspreiserwartung lohnen sich nicht mehr.
Ebay wird in letzter Zeit zudem von Händlern überflutet. Das berühmte Schnäppchen ist schwer zu finden, weil die Anzahl an Privatauktionen kontinuierlich zurückgeht. Ebay ist längst ein Platz für
die großen Händler geworden. Daher muss ich Nora recht geben: Es ist für Privatverkäufer wirklich ungemütlich geworden auf Ebay. Aus diesem Grund möchte ich mich zumindest als
Verkäufer von Ebay verabschieden. Es war eine schöne Zeit, aber Ebay ist nicht mehr das was es mal war.
Das verwendete Bild entstammt www.pixelio.de.