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Im Jahre 1901 schickte mein Ururgroßvater einen Brief an die Dame seines Herzens.
Er befand sich gerade auf der U.S.M.S. New York auf der Reise nach New York. Er wurde Zeuge einer Schiffskatastrophe, die mehrere Menschen das Leben oder zumindest die Gesundheit kostete.
Der Brief erreichte die Empfängerin am 29. März 1901.
Zeichensetzung und Schreibweise wurden beibehalten.
U.S.M.S. „New York“
Freitag, den 15. III. 1901.
Mein geliebtes Gretchen!
Heute befinde ich mich schon 6 Tage auf dem Wasser und habe auch schon sehr viel durchgemacht. Wir werden wegen der furchtbaren Stürme, die wir hatten, statt Sonnabend früh um 9 Uhr, erst Sonntag gegen 3 Uhr Mittags eintreffen, also mit 20 Stunden Verspätung. Bis Montag war das Wetter lustig, jedoch am Nachmittage änderte es sich sehr. Die Wellen wurden größer und der Sturm nahm gewaltig zu. Fast alle Passagiere wurden seekrank, ich wurde davon jedoch verschont. Während des Essens flogen sämtliche Sachen und Suppen um, man musste sich festhalten, um nicht von den Brücken zu fliegen. Während der Nacht konnte man nicht in das Bett gehen, da man sonst hinausgefallen wäre. Morgen fahre ich fort zu schreiben, da jetzt zum Lunch geläutet wird. So der Lunch wäre eingenommen, ich kann also fortfahren im Schreiben. In unserem Zimmer, ich wohne noch mit einem anderen Herrn zusammen, sahen wir am nächsten Morgen nur Scherben. Die Karaffen, Gläser und sonstigen zerbrechlichen Gegenstände, lagen an der Erde. Ein solches Wetter hatten wir bis gestern und daher die große Verspätung. Als sich nun das ruhige Wetter eingestellt hatte, ereignete sich ein großes Unglück an Bord des Schiffes. Wir saßen gestern gegen 7 Uhr im Diningroom, wo Klavier gespielt wurde, ganz gemütlich zusammen, als plötzlich ein Steward hineinrief: Alles an Deck. Natürlich stürmten wir alle hinauf, wo sich uns ein gräßlicher Anblick darbot. Wir sahen Matrosen + Stewards Männer + Frauen bewusstlos aus dem Zwischendeck heraustragen und nahmen an, dass dort Feuer ausgebrochen war. Die Aufregung, die unter den Passagieren entstand, kannst du dir wohl denken. Alles schrie um Hilfe, was wenig Zweck hatte. Wir erfuhren dann schließlich, dass unten ein Kessel mit Ammoniak explodiert war. Die ausströmenden Gase waren schon in das Zwischendeck gedrungen und die Zwischendeckpassagiere waren nahe daran, zu ersticken. Bis jetzt ist einer gestorben und 2 liegen im Sterben. Die Leute haben das Augenlicht vollständig verloren und 2 sind auf einem Auge blind. Heute Nachmittag um 5 Uhr findet die Beerdigung des Toten statt. Er hat noch 1 Frau + 3 Kinder an Bord, welche bis jetzt noch nichts davon wissen. Er kommt in einen schwarzen Sarg. Auf den Sarg kommt die amerikanische Flagge. Um 5 Uhr hält das Schiff, der Capitan liest aus der Bibel etwas vor und dann wird der Sarg ins Meer geworfen. Hoffentlich passiert nicht noch etwas. Nach meiner Ankunft in New York werde ich diesen Brief gleich besorgen + dir dann meine Adresse mitteilen. Für heute sei herzlichst gegrüßt + innigst geküsst ...
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Kommentare: 5
die hamann (Montag, 15 März 2010 17:38)
meine güte, und ich hatte immer angst vorm fliegen, dabei is so eine schiffsreise ja auch nich ganz ohne...
M mit C (Montag, 15 März 2010 22:05)
Ist der echt??? Wahnsinn....
PS: Meld dich mal wieder...
Katharina Böhme (Dienstag, 16 März 2010 14:32)
Na klar ist der echt.. muss Oma mal auf die Suche nach weiteren Briefen von der New York Reise schicken.. ;-)
Kiki Suarez (Dienstag, 30 März 2010 17:23)
WOW! Alte Briefe sind doch etwas ganz Besonderes! Unsere tausende von emails können da sicher nicht mithalten, sind viel schneller vergänglich. Das ist ein kleiner Schatz, den Du da hast.
Die Botschaft: Leben ist immer lebensgefährlich....
KIKI
Bella (Samstag, 03 April 2010 23:17)
Das ist ja ein Brief, krass. ;-)
Wie hieß Er denn?
Das würde mich mal interessieren. :-)